Excel in der Schule?

Mein jährliches Ritual bei einigen meiner größeren und mittelständischen Kunden: ab September vertrauen mir diese Firmen für einige Tage ihre neuen Auszubildenden an. Das sind knapp 100 junge Menschen pro Jahr, die ich knapp zwei Tage durch Office führen darf. Eine große Ehre und Verantwortung – und zudem macht’s Spaß… auch wenn ich mittlerweile vermutlich älter als manche Eltern sein dürfte.

Klar ist, in diesen Unternehmen werden die Office-Produkte, allen voran Excel, Outlook und Word eingesetzt.

Unglaublich, wie unterschiedlich die Ausbildung und Nutzung in den Office-Produkten während der Schulzeit gehandhabt wird. Im worst case gab es vielleicht gerade mal zwei Stunden Excel oder Calc während der gesamten Schulzeit. Die meisten mussten zumindest PowerPoint für Ihre Präsentationen verwenden. Das betrifft knapp 75 Prozent aller Auszubildenden, denen ich jährlich begegne! Mailen? Fehlanzeige… Snapchat, Instagram und WhatsApp sind die Regel. Digitale Mediennutzung? Klar, den ganzen Tag… Handy, Tablet, Konsole und auch PC. Aber das, was in den Unternehmen genutzt wird kommt in der Schule eindeutig zu kurz. Zumindest, bei der kleinen Stichprobe, der ich begegne… über mehrere Firmen und Branchen hinweg. Ist der digitale Wandel schon in allen Schulen angekommen?

Ein wenig stechen die Schulabgänger hervor, die ein Fachabitur gemacht haben. Hier gab es oft längere EDV-Projekte während der Oberstufe. Und klar, es gibt immer einige in Office superfitte Auszubildende – doch ist dies nicht meine gefühlte Mehrheit.

Woran liegt es? Keine Lust bei den Lehrern? Zu schlechte EDV-Räume? Keine Zeit? Sind die Medien wie ActiveBoard im Unterrichtsraum vorhanden, werden aber nicht konsequent genutzt? Oder wird die Handhabung gebräuchlicher Anwendungen ob LibreOffice oder Microsoft Office einfach nicht als wichtig angesehen? Beziehungsweise wird vorausgesetzt, dass sich die Schüler privat damit auseinandersetzen.

Dann bei der Bewerbung auf den nächsten Job, sollen die Office-Kenntnisse auf einmal perfekt sein. Hier darf dann die Berufsschule noch einiges nachholen. Ich zumindest bin sehr froh, dass meine Kunden selbst die Initiative ergreifen, und noch einmal die Bedeutung der Standardanwendungen für ihre Bedürfnisse hervorheben.

Bei meinen eigenen Kindern habe ich ein Wahnsinnsglück. Nicht, dass Sie schon von Haus aus mit dem Computervirus infiziert sind. In der gemeinsam ausgewählten Schule gibt es pro Schuljahr ca. 4 Laptopklassen (Schwerpunkte Nawi und Englisch) mit Leasinggeräten ab Klasse 5. Der Matheunterricht ist zum Teil mit Excel kombiniert – war ganz schön baff, als ich die Fragen der ersten Klassenarbeit aus Klasse 5 gesehen habe. Hausarbeiten werden in Word geschrieben und hochgeladen, Präsentationen mal eben fix in PowerPoint erstellt und jetzt kommt bald noch OneNote hinzu. Die meisten Lehrer sind digital fit und motiviert. Ein Lehrer steht als Expert Educator mit Microsoft und einem Lehrernetzwerk in Kontakt.  https://education.microsoft.com/ ist sicherlich eine Seite, die man sich als Schule mal anschauen sollte. Es geht also…

Doch wie bekommen wir, falls überhaupt gewünscht, mehr Office-Kompetenz in die Schulen? Ich finde es schade, dass junge Menschen mit 18, 19, 20 Jahren Excel bislang kaum kennenlernen durften oder erst an der Uni ihr erstes mehrseitiges Dokument mit Inhaltsverzeichnis erstellen. Es gibt genug spannende Themen und Möglichkeiten für Projekte, die sich bestimmt auch mit Mathe, Sowi oder anderen Fächern kombinieren lassen.

Hier noch einmal ein Link http://www.microsoft.com/de-de/education/school-leaders/showcase-schools/default.aspx zum Microsoft Showcase-Programm für interessierte Schulen. Und nein, hier geht es nicht primär um Office und Microsoft-Produkte. Hier geht es um ein ganzheitliches Konzept um den digitalen Wandel in die Schulen zu bringen.

Es ist Initiative von allen gefordert: Schülern, Lehrern, Eltern, Wirtschaft und Politik.

Träumt nicht von Excel!
Euer Andreas

 

 

 

4 Kommentare

  1. German Ross

    Das kann ich nur unterstützen. Für den Bereich der Gesundheitsdienstleistungen kann ich das auch für alle Professionen bestätigen. Dass sich das Auswerten von Datenbeständen, die Verwaltung mehrseitiger Dokumente oder nur die E-Mail-Postfachorganisation als zufälliges Herrschaftswissen einzelner dann unersetzlicher Personen im Unternehmen erweist, ist angesichts der überschaubaren intellektuellen Anforderungen an das Beherrschen der Grundregeln dafür nicht zu verstehen. Das könnte eigentlich jeder. So werden Urteile ohne leicht zu gewinnende Erkenntnisse gefällt oder viel Zeit mit unproduktivem Herumgestochere verbrannt. Das Thema gehört in jeden Ausbildungsgang.

  2. Hauke

    Ich kann ebenfalls bestätigen, dass auch im Bereich der Großkonzerne die Fähigkeiten zu bereits vorhandenen digitalen Tools wie der Office Serie, die jedem zur Verfügung steht, sehr zu wünschen übrig lässt. Ich kann hier aus dem Bereich der Hochschulabsolventen berichten mit denen ich zu tun habe. Outlook und dessen Möglichkeiten zur digitalen Zusammenarbeit sind in der Mehrheit unbekannt (Aufgaben, Kontakte, etc). Email und den Kalender können nur mit rudimentären Fähigkeiten nutzen. Das im Office Paket zur Verfügung gestellte Potential bleibt hier ungenutzt. Auch die Kombination der einzelnen Apps (Email –> Aufgaben –> Kalender) zu einem „aufgabenorientierten Zeitmanagementsystem“ sind unbekannt.

    Eine Einführung von SharePoint, das Kenntnisse dieser grundlegenden Funktionen voraussetzt um dessen Potential auszuschöpfen, ist damit faktisch zum Scheitern verurteilt. Die Integration von OneNote zur inhaltlichen digitalen und standortübergreifenden Zusammenarbeit in Outlook und SharePoint rückt damit ebenfalls in weite Ferne.
    Damit entstehen Abläufe aus Unwissenheit die dazu führen, dass die Kosten für Tätigkeiten in Hochlohnstandorten wie Deutschland zu Unwirtschaftlichkeit führen.

    In meinem Alltag mache ich die Erfahrung, dass die Menschen mit etwas Unterstützung vermeintlich unüberwindbare Hindernisse mit Leichtigkeit hinter sich lassen können und auf einmal über sich selbst hinauswachsen, wenn sie ihr neu erworbenes Wissen auf ihr eigenes Umfeld anwenden.
    Ich kann Deine Initiative nur sehr begrüßen und unterstützen um diese Entwicklung voranzubringen. Ich bin gespannt!

    • thehosblog

      Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht. Ich werde mich hier im Blog rechtzeitig melden, wenn es inhaltlich weiter geht. Beste Grüße und ein frohes neues Jahr, Andreas

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